Minden: Erfolgreiche Demo gegen Nazigewalt

Gestern, am 4.12.2010, demonstrierten rund 170 Menschen unter dem Motto „Schluss mit lustig – Dem Naziterror entschlossen entgegentreten!“ gegen die immer stärker werdende Nazigewalt in Minden.
Ausschlaggebend für die Demonstration war ein Überfall von Nazis am vergangenen Wochenende auf eine als „links-alternativ“ geltende Kneipe in Minden.
Doch auch im Vorfeld traten die Neonazis in Ostwestfalen-Lippe, Schaumburg und der Region Hannover immer wieder durch gewalttätige Angriffe gegen Andersdenkende in Aktion.

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Trotz des kalten und nassen Wetters und der kurzen Mobilisierungszeit von nur knapp einer Woche fanden sich am Samstag Abend um 18 Uhr rund 170 Menschen in Minden am Auftaktkundgebungsplatz der Demonstration zusammen, um sich gegen die immer stärker werdende Nazipräsenz in Minden und Umgebung zu stellen.

Betroffen sind einige, gemeint sind wir alle!

Den Anlass zu der Demonstration gab ein Angriff auf die als „links-alternativ“ geltende Kneipe „Hamburger Hof“ in Minden am vergangenen Wochenende. Rund 6-8 Nazis stürmten vermummt in das Lokal, riefen Parolen wie „Sieg heil!“ und „Minden ist unsere Stadt“ und verwüsteten die Inneneinrichtung. Im Zuge des Übergriffs versuchte ein Gast der stattfindenden Reggae-Party die Angreifer anzusprechen, um den Grund der kopflosen Verwüstung zu erfahren. Dieser wurde von einem der Nazis umgehend zu Boden geschlagen und musste im Krankenhaus behandelt werden.
Die von den VeranstalterInnen der Party gerufene Polizei konnte keinen der flüchtigen Nazis stellen, sodass die Täter unerkannt entkommen konnten.

Die besagte Kneipe ist allerdings keinesfalls ein „linkes“ Kulturobjekt. Der Betreiber betont stattdessen immer wieder, dass er „für jeden offen“ ist und sich selbst und sein Lokal als „unpolitisch“ sieht. Er entzieht sich jeder Kritik mit der Aussage „Hier soll jeder die Chance haben, sich musikalisch auszuleben.“ So spielten in vergangener Zeit immer wieder fragwürdige Bands in besagter Kneipe.
Von daher solidarisieren wir uns nicht uneingeschränkt mit dem „Hof“ und seinem Betreiber.
Jedoch galt der Angriff nicht alleinig dem „Hof“ und seinen Gästen, sondern vor allem den von den Nazis fälschlicherweise im Lokal vermuteten politischen GegnerInnen. Desweiteren muss Nazigewalt, wann und wo immer sie auftaucht, und gegen wen sie gerichtet ist, thematisiert und heftig kritisiert werden.

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Time to wake up – enough is enough!

Dies war nicht der einzige Vorfall gewalttätiger Naziangriffe in den letzten Monaten.
Allein in der Region Hannover und Schaumburg gab es in der letzten Zeit immer wieder Übergriffe und Übergriffsversuche seitens der Nazis gegenüber AntifaschistInnen.
So wurde in Bückeburg Ende August ein junger Mann, welchen eine umherstreifende Nazigruppe für einen vermeintlichen politischen Gegner hielt, angegriffen und mit Schlagstöcken derart schwer verletzt, dass er ins Krankenhaus eingeliefert werden musste.

Im Anschluss an den Naziaufmarsch in Bad Nenndorf im August versuchten 40-50 Nazis das Kultur- und Kommunikationszentrum „Wohnwelt“ in Wunstorf anzugreifen, was nur durch aufmerksame Besucher und das Eintreffen der Polizei verhindert werden konnte. (Bericht dazu.)

Auch versuchen die Neonazis immer wieder durch gezielte Drohungen ihre politischen GegnerInnen einzuschüchtern. Morddrohungen per Post, Telefonanrufe und das Bedrohen von Eltern und Freunden sind immer wieder Mittel, von denen auch in letzter Zeit vermehrt Gebrauch gemacht wurde.

Schluss mit lustig – Dem Naziterror entschlossen entgegentreten!

All diese Aktionen der Nazis fanden zwar kurze Erschütterung in der Presse, waren aber schnell wieder in Vergessenheit geraten und die Öffentlichkeit ging wieder zu ihrer alltäglichen Kleinstadtidylle über.
Daher entschlossen wir uns, nun einmal ein klares Zeichen zu setzen und eine starke, antifaschistische Demonstration zu machen, welche Solidarität mit allen Betroffenen ausdrücken und den Nazi zeigen sollte, dass wir ihre Gewalt nicht hinnehmen und uns nicht einschüchtern lassen – Egal, was sie tun!

An dieser Demonstration nahmen am 04.12. um 18 Uhr trotz Minustemperaturen, immer stärkerwerdenden Schneefalls und nach einer Mobilisierungszeit von nur einer knappen Woche über 160 Personen teil, die mit einer lautstarken Demonstration am Rande der Mindener Innenstadt klarmachten, dass die Stadt Minden keineswegs den Nazis gehört – oder ihnen überlassen wird, wie diese bei dem Angriff auf den Hamburger Hof skandierten.
Schon im Vorfeld der Demonstration ließ der Mindener Neonazi-Kader Marcus Winter verlauten, dass die Nazis versuchen werden, die Demonstration zu stören bzw. die AntifaschistInnen auf ihrer An- und Abreise anzugreifen.
Ein großes Polizeiaufgebot wurde aufgefahren, um ein Aufeinandertreffen von der Demo und den Nazis zu verhindern, da auch der Polizei bewusst zu sein schien, dass mit Anhängern der Gegenseite zu rechnen sei.
Diese ließen es sich natürlich auch nicht entgehen, am Auftaktkundgebungsplatz und am Rande der Demonstration vereinzelt aufzutauchen oder als größere Gruppe in der Innenstadt mit ihrer Präsenz für Unruhe bei den BeamtInnen zu sorgen.
Zu Angriffsversuchen auf die Demo oder TeilnehmerInnen kam es allerdings nicht, da die Anzahl und das Auftreten der AntifaschistInnen deutlich zeigte, dass man auf einen solchen Angriff entsprechend reagieren würde.
Auf ein anschließendes Glühwein-Trinken der AntifaschistInnen auf dem Mindener Weihnachtsmarkt wurde von den Nazis mit glänzender Abwesenheit reagiert.

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Leider wurde zuvor die angemeldete Route der Demonstration nicht genehmigt, sodass die Demo mit den Redebeiträgen, den Parolen und der Musik nur zeitweise die BesucherInnen des Weihnachtsmarktes und der Innenstadt erreichte.

Auf den Kundgebungen wurden Redebeiträge der Antifa Minden, Antifa [rk] Wunstorf, aus Detmold und der Flüchtlingshilfe Lippe verlesen, welche auf die Situationen in Minden, Schaumburg und Umgebung aufmerksam machten. Außerdem wurden die Themen „Flüchtlinge“ und Abschiebung, sowie die Zustände in Abschiebeknästen angesprochen.

Der offizielle Beauftragte gegen Rechts der Stadt Minden riet im Vorfeld von einer Teilnahme an der Demonstration ab. Es fanden sich jedoch trotzdem einige Mitglieder des Bürgerbündnisses „Aktionsbündnis Minden gegen Nazis“ ein.
So demonstrierten überwiegend Personen der antifaschistischen Szene und vereinzelt liefen auch AnwohnerInnen und BesucherInnen des Weihnachtsmarktes mit und unterstützen die Ziele und Aussagen der VeranstalterInnen.

Who’s streets? Our streets!

Schlussendlich verlief die Demonstration, der kurzen Mobilisierungszeit und der Absage des Bürger-Bündnisses zum Trotz, entschlossen und ausdrucksstark.
Die VeranstalterInnen und TeilnehmerInnen konnten den Mindenern am Rande der Innenstadt ihre Thematik und das Problem der Nazigewalt in und um Minden nahebringen.
Den Nazis wurde wieder einmal klargemacht, dass sie in Minden keine „national befreite Zone“ haben, sondern dass, wo immer Gewalt ihrerseits auftaucht, ob in Minden, Wunstorf, Schaumburg oder sonstwo, mit einer Reaktion der antifaschistischen Strukturen vor Ort zu rechnen ist.

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Wir bedanken uns bei allen TeilnehmerInnen, die trotz des schlechten Wetters und der kurzen Mobi-Zeit ihren Weg nach Minden gefunden haben!
Auch bedanken wir uns bei den Strukturen vor Ort, die es auf die Schnelle möglich gemacht haben, die Logistik und Technik für die Demo zu stellen und bei allen anderen, die wir erreichen konnten, damit Nazi-Gewalt niemals und nirgendwo verschwiegen wird!

Action speaks louder than words – Es gibt kein ruhiges Hinterland!

Antifa Infoportal Weser / Deister / Leine, Dezember 2010