Freispruch für Marco Siedbürger

Am 27.06.2008 sprach das Landgericht Verden den zu den „Nationalen Sozialisten OWL/SHG“ gehörenden Gewalttäter Marco Siedbürger aus Minden vom Vorwurf der Gefährlichen Körperverletzung frei. Die erste Instanz des Verfahrens sah es noch als erwiesen an, dass Siedbürger Anfang 2007 in Nienburg am Rande einer Party mit einer Eisenstange auf einen Dunkelhäutigen eingeschlagen hatte. In der zweiten Instanz präsentierte Siedbürger jedoch einen Zeugen, der die ganze Schuld auf sich nahm.

Dabei handelt es sich um einen 21jährigen aus Nienburg. An der Glaubwürdigkeit dieses Geständnisses wurden Zweifel laut. Diese sind berechtigt, da es in der Neonazi-Szene gängige Praxis ist, dass junge Anhänger, die keine oder nur wenige Vorstrafen zu verzeichnen haben, Taten auf sich nehmen, die ältere Kadern vorgeworfen werden. Die durch den plötzlich aufgetretenen Zeugen enstandenen Unsicherheit in Verbindung mit den aufrund der langen Prozessdauer nicht mehr lückenlosen Erinnerungen der Belastungszeugen dienten als Begründung des Freispruchs.

Wieder einmal ist deutlich geworden, dass die deutsche Justitz nicht gewillt ist, effektiv gegen Neonazis vorzugehen. Anders lässt sich nicht erklären, wieso ihnen immer wieder eine Verschleppung von Verfahren und ein erfolgreiches Arbeiten mit zweifelhaften Zeugen gewährt wird, so wie jetzt in Nienburg.

Einen ausführlichen Bericht zum Prozess gibt es bei redok.