“Collegium Humanum” verboten!

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Hinter dem unscheinbaren Namen “Collegium Humanum – Akademie für Umwelt und Lebensschutz“ (CH) verbarg sich jahrzehntelang ein Treffpunkt für AnhängerInnen unterschiedliche Strömungen der extremen Rechten. Besondere Bedeutung hatte das Zentrum auf dem Winterberg am Rande der Weserstadt Vlotho für AntisemitInnen und HolocaustleugnerInnen. Dies wird u.a. am Namen eines Vereins aus dem direkten CH-Umfeld deutlich: “Verein zur Rehabilitierung der wegen Bestreitens des Holocaust Verfolgten“. Dieser wurde zusammen mit dem Verein „Collegium Humanum“ am 07. Mai 2008 vom Bundesinnenministerium verboten.

In der Begründung heißt es „die Vereinstätigkeit besteht aus antisemitischer Propaganda und der Verherrlichung der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft.“ Ebenfalls verboten wurde der Verein „Bauernhilfe e.V.“ , auf den wahrscheinlich das Vereinsvermögen übertragen werden sollte. Neben einer Durchsuchung im CH selbst kam es am Tag des Verbotes auch zu Razzien bei dem Zentrum nahe stehenden Personen in Niedersachsen, Hessen und Nordrhein-Westfalen, darunter auch die nur wenige Meter vom Vereinsanwesen in Vlotho wohnende Vorsitzende Ursula Haverbeck-Wetzel. Die 79jährige ist mehrfach wegen Volksverhetzung vorbestraft. Ihr 1999 verstorbener Ehemann Werner-Georg gründete das Collegium im Jahre 1963. Im Umfeld des Collegiums bewegten sich zahlreiche bekannte Neonazis und Revisionisten, darunter Bernhard Schaub, Germar Rudolf und Horst Mahler.

Neben „intellektuellen“ Rechten konnten auch immer wieder Anhänger der militanten Kameradschaftsszene das Collegium Humanum nutzen: Im März 2001 fanden sich etwa 150 von ihnen zu einem Rechtsrockkonzert mit den Bands „Sleipnir“ und „Nemesis“ ein. Zudem luden auch regelmäßig Kameradschaftsführer zu Schulungsveranstaltungen ins Collegium. Anfang diesen Jahres wollten die „Nationalen Sozialisten OWL/SHG“ einen Vortrag mit dem rechten Publizisten Olaf Rose, der u.a. als Berater für die sächsische NPD-Landtagsfraktion tätig ist, im CH durchführen. Nach der Ankündigung antifaschistischen Protestes musste die Veranstaltung jedoch verlegt werden.

Eben dieser Protest war es auch, der das CH wieder auf die politische Tagesordnung gesetzt hatte und letztendlich im Verbot mündete. Kaum zu fassen ist allerdings, wie lange die rechte Szene ungestört von staatlichen Eingriffen im CH agieren konnte. Bereits in den 1990er Jahren waren die Verbindungen zwischen dem Collegium und der Neonaziszene mehr als offensichtlich. Im Jahr 2005 gründete sich das „Vlothoer Bündnis gegen das Collegium Humanum“. An einer ersten Demonstration gegen das Nazizentrum beteiligten sich 800 Menschen. Auch wenn sich nun die lange Jahre untätigen Verantwortlichen mit dem Verbot als „Antifaschisten“ profilieren wollen – allen voran SPD, Grüne und das Bundesinnenministerium – so ist die Schließung dieses wichtigen Strategiezentrums der regionalen und internationalen neofaschistischen Szene doch ein politischer Erfolg.

Einen Pressespiegel zum Verbot des „Collegium Humanum“ gibt es auf Hiergeblieben.

Hintergrundinformationen liefert u.a. die Broschüre “Collegium Humanum – Von der NS-Reichsleitung zum Zentrum der Holocaustleugner”, zu beziehen über die Antifa West.