Neonazikonzert in Minden

Minden war lange Zeit kein gutes Pflaster für Neonazis. Im Jahr 2006 mussten hier drei Naziaufmärsche aufgrund breiter antifaschistischer Gegenwehr vorzeitig abgebrochen werden. Erst das Handeln der Polizei ermöglichte Neonazis öffentlich Auftritte in der Stadt: Am 17.03.2007 setzte ein Großaufgebot mit brutaler Gewalt erstmals seit vielen Jahren einen Naziaufmarsch in Minden durch. Nun versuchte sich die Polizei an einer neuen, nicht minder bedenklichen Taktik: Verschweigen von Naziaktivtäten, um so Protest zu unterbinden. Auf diese Weise konnten sich am 29.12.2007 rund 200 Nazis relativ ungestört zu einem Konzert in Minden versammeln.

Am Abend des 29.12.2007 fielen lokalen Antifaschist_Innen verstärkt Neonazis am Mindener Bahnhof auf. Einigen konnte bis zur Gaststätte „Zur Friedenseiche“ in Minden-Stemmer gefolgt werden, vor der zu diesem Zeitpunkt bereits eine große Anzahl von PKWs mit auswärtigen Kennzeichen standen (die auffällig oft die Zahlen 14, 18, 28 oder 88 enthielten). Schnell war klar, dass in der Gaststätte ein Nazikonzert stattfindet. Die Beobachtung des Veranstaltungsortes über einen längeren Zeitraum ergab, dass sich dort insgesamt rund 200 Nazis versammelt hatten. Diese hohe Teilnehmerzahl ließ sich erst im Nachhinein erklären, als Recherchen ergaben, dass die Rechtsrockband „Weisse Wölfe“ als Headliner des Konzertes angekündigt war, welches mit den Worten „Last Chance to Rock this year“ beworben wurde.

Die Band „Weisse Wölfe“ ist eng verbunden mit der rechten Kultband „Oidoxie“ aus Dortmund. Im Gegensatz zu Oidoxie vertreten die Weissen Wölfe jedoch einen noch offeneren Nationalsozialismus. Ihre Texte sind von extremer Menschenverachtung und Aufrufen zur Gewalt gekennzeichnet. So heißt es in den Liedern auf ihren indizierten CDs u.a. „Für unser Fest ist nichts zu teuer – 10.000 Juden für ein Freudenfeuer“ und „Ihr tut unsrer Ehre weh – unsre Antwort Zyklon B“. Auf dem einzig bekannten Foto der Gruppe posieren deren Mitglieder vermummt und schwer bewaffnet vor einer Fahne der verbotenen „Freiheitlichen Arbeiter Partei“ (FAP).

Trotz alledem war von der Polizei weit und breit keine Spur. Es kann jedoch davon ausgegangen werden, dass Verfassungsschutz und Staatsschutz lange im Voraus von einem Konzert dieser Größenordnung wussten. Ganz offensichtlich ist es jedoch nicht gewollt, rechte Konzerte zu verhindern, obwohl die menschenverachtenden Texte und das Gewaltpotenzial der KonzertbesucherInnen genug Gründe für ein Eingreifen liefern würden. Stattdessen zeigten die „OrdnungshüterInnen“ bewusst keine Präsenz in der Nähe des Konzertes in der Hoffnung, dass Antifaschist_Innen so nicht auf die Veranstaltung aufmerksam würden und es zu keinerlei Protest käme. Besorgte Anwohner_Innen wurden belogen. Ihnen wurde versichert, dass die Lage unter Kontrolle wäre, wohl wissend, dass eine paar Zivilpolizisten (die angeblich vor Ort waren) nie und nimmer dafür ausgereicht hätten.

Eine Gruppe von ca. 30 Antifaschist_Innen lies es sich trotz allem nicht nehmen, gegen 22.30 Uhr eine lautstarke Spontandemo durch die Mindener Innenstadt durchzuführen. Nach deren Beendigung erwachte die Mindener Polizei plötzlich doch noch aus ihrem Dornröschenschlaf. Ihre Aktivität beschränkte sich allerdings darauf, mit mehreren Streifenwagen (erfolglos) Jagd auf die sich entfernenden Antifaschist_Innen zu machen. Das ist ja auch viel wichtiger, als sich um 200 alkoholisierte und durch aggressive Musik aufgestachelte Neonazis zu kümmern…

Wieder einmal ist deutlich geworden, dass ein Auftreten von Neonazis in Minden (und anderswo) scheinbar politisch gewollt ist und dass Menschen, die gegen Nazis aktiv werden, kriminalisiert werden sollen.

Ungeachtet dessen werden engagierte Antifaschist_Innen aber auch weiterhin dafür sorgen, dass die Umtriebe von Neonazis öffentlich gemacht werden und dass die Etablierung einer rechten „Erlebniswelt“ durch bewusstes Wegschauen der Behörden nicht hinnehmbar ist. In Zukunft darf es keine Räume mehr für Naziveranstaltungen in Minden und anderswo geben! Daher werden sich die politischen Verantwortlichen in kürze unangenehmen Fragen ausgesetzt sehen, ebenso wie der Besitzer der Gaststätte „Zur Friedenseiche“…

..::Weitere Infos::..

Nazi-Desaster in Minden am
16.09.2006: http://de.indymedia.org/2006/09/157283.shtml
25.11.2006: http://de.indymedia.org/2006/11/163014.shtml
24.12.2006: http://de.indymedia.org/2006/12/164910.shtml

Durchgeprügelter Aufmarsch am 17.03.2007: http://de.indymedia.org/2007/03/171112.shtml

„Weisse Wölfe“ und Umfeld: http://www.turnitdown.de/164.html?&type=98